Willkommen auf Deinem Star Wars Blog

[Gastbeitrag] Die Abrams-Kontroverse...

Kolumne - - Kommentare
von (Darth Sonic)

...oder ein möglichst neutraler Blick auf das "The Force Awakens"-Mastermind aus der Sicht eines bekennenden Fanboys.

Ein Gastbeitrag unseres Lesers "sawyer, brother!".

Da dieses Thema ständig Stoff für heiße Diskussionen liefert und ich mich hier immer wieder dabei erwische wie ich Abrams verteidige, möchte ich in diesem Artikel möglichst neutral auf die Pro und Kontras des Episode VII-Regiesseurs/Schreibers eingehen.

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat: Ich bin ein absoluter Befürworter J.J. Abrams´. Deshalb der Untertitel. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich alles was Abrams produziert/geschrieben/directed hat als gut empfinde, nur weil sein Name drauf steht! Im Gegenteil, aber dazu später mehr. Abrams hat bei mir aber einen großen Stein im Brett, da er an der für mich besten Serie aller Zeiten maßgeblich beteiligt war: LOST.

LOST

Ich verbinde eine Menge gute, persönliche und vor allem emotionale Erinnerungen mit dem Phänomen Lost, insbesondere die wöchentliche Zusammenkunft mit meinem besten Freund, bei welcher wir uns sechs Jahre lang die neueste Folge gemeinsam anschauten und im Anschluss stundenlang über diverse Theorien generdet haben, ja sogar eigene Theorien entwickelt haben.

Das ist eben genau das, was LOST ausmacht: Der Freiraum für Interpretationen, die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten ewig über das Material austauschen zu können. Wäre Abrams zum Ende der Serie mehr involviert gewesen, wäre das Finale vermutlich "befriedigender" ausgefallen. Für uns beide war es dennoch sehr emotional, seit dem Ende der Serie haben wir keinen Ersatz für die klaffende Lücke finden können.

Aber genug zum Thema LOST, dies sollte lediglich kurz aufzeigen, wann ich zum ersten Mal bewusst mit Abrams in Kontakt gekommen bin. Felicity und Alias haben mich nicht interessiert. Allerdings habe ich einen Film sehr gerne als Teenager gesehen: Filofax von 1990, bei dem kein geringerer als Mr. Abrams himself das Drehbuch verfasste. An dieser Stelle sei auch kurz erwähnt, dass Abrams ebenfalls am Skript zu Armageddon - ich glaube bei Mädels/Frauen auf Platz zwei der All-Time-Favorites, direkt nach Titanic und noch kurz vor Ritter aus Leidenschaft - mitgewirkt hat.

STAR TREK

Seitdem gab es diverse Produktionen welche mich im Großen und Ganzen meist überzeugen konnten, auf die ich hier gerne nochmal zu sprechen kommen möchte, allen voran: der Star Trek Reboot. Ebenso Auslöser für unendlich nervige Diskussionen, für mich sehr amüsant und komplett als reiner Beobachter zu betrachten, da ich nie Fan der originalen Star Trek Serie war. Hauptsächlich empfand ich William Shatners Unfähigkeit zu schauspielern einfach nur anstrengend, höchstens belustigend. Da ich ein riesiger Fan der Nächsten Generation bin, habe ich mir rein der Vollständigkeit halber die originale Serie auferzwungen (und bin heute noch froh, dass es nicht für mehr als 3 Staffeln gereicht hat). Für mich ist der Reboot genau das, was Star Trek im Original immer sein wollte: ein spektakuläres Science-Fiction-Action-Adventure! Das Argument, die Enterprise sei für Erkundungsmissionen gebaut worden, findet meiner Meinung nach keinen Anker. Mag sein, dass dies Gene Roddenberrys ursprüngliche Vision war, aber am Ende war es nur ein Deckmantel - denn mal ganz ehrlich - wer wollte denn Mitte/Ende der sechziger Jahre sehen, wie eine Raumschiffcrew auf Erkundungstour geht, ohne dass die Fetzen fliegen, sprich die Phaser auf "Kill" gesetzt wurden. Nicht umsonst ist Star Trek - Der Erste Kontakt der beste Film aus dem Star Trek-Universum und das ganz ohne Erforscher-Hintergedanken.

Das Beste ist, Abrams Star Trek reißt eine alternative Realität auf, ein Science-Fiction-Thema, das Trekkies eigentlich nur zu gut schmecken und als Beruhigungspille dienen dürfte. Aber nein, das hat auch nicht geholfen. Der große Roddenberry hat sich angeblich im Grabe umgedreht.

Und genau das alles hat Abrams eingefangen. Spektakuläre Kämpfe, Phaser-Geballer, riesige Raumschiffe in epischen Actionsequenzen. Nichts besonderes mehr, oder? Ja, solche "Spektakel" werden leider heutzutage am Fließband produziert (selbst das kann aber auch nach hinten losgehen, bestes Beispiel: wenn sich Michael Bays Transformers über die Leinwand prügeln und man denkt, man sitzt gerade im Schleudergang der Waschmaschine). Mehr Schlecht als Recht, Quantität statt Qualität, riesige CGI-Effekte machen noch lange keinen guten Film aus... und damit komme ich zur eigentlichen besonderen Fähigkeit, die Abrams aus der Masse herausstechen lässt: sein Gespür und geniales Händchen für den Cast und die Charakter-Entwicklung! Wenn ein Schauspieler beim Casting nicht zur vorgesehenen Rolle passt, Abrams aber von seinem Können überzeugt ist, versucht er nicht den Schauspieler in die Rolle zu pressen - er schreibt eine neue Rolle für den Schauspieler. Natürlich hat man in einer Serie weitaus mehr Möglichkeiten, vor allem Zeit, die Charakter-Entwicklungen aufzuzeigen. Dennoch finde ich, dass gerade in Star Trek die Chemie zwischen dem Cast und die daraus in ~100 Minuten möglichen Charakterbeziehungen und -entwicklungen phänomenal gut zur Geltung kamen.

Weitere Produktionen und Star Trek - Into Darkness

Sicher hat Abrams bereits ein paar Produktionen im Kasten, sei es als Autor, Regisseur, Komponist oder Produzent, um einen Eindruck seiner Arbeitsweise, seines Stils und vor allem seiner Leidenschaft zu bekommen. Erwähnenswert sind hier Fringe und die eben genannte Serie Alias, zwei Serien die mir persönlich nicht zugesagt haben, dennoch habe ich durch Berichte im Freundeskreis Begeisterungsstürme darüber wahrnehmen dürfen. In Sachen Henry und Forever Young, für die Abrams ebenfalls das Drehbuch schrieb bzw. mitschrieb, sollte viele von Euch ein Begriff sein.

Super 8 ist ein Film den ich leider in die Kategorie "ich-weiß-einfach-nicht-was-ich-davon-halten-soll" schieben muss. Ich finde die Atmosphäre der Zeit ist ganz gut eingefangen, dennoch kommt diese nicht 100% überzeugend rüber. Hier hat Abrams versucht, eine Monstergeschichte à la Der Weiße Hai zu erzählen, mit dem eigentlichen Monster in einer Nebenrolle (zu dieser Parallele später mehr). Leider konnten mich die Geschichten der Protagonisten nicht weiter bewegen, wodurch das gesamte Werk eher mit Durchschnitt zu bewerten ist.

Ganz im Gegenteil zu dem zuvor entstandenen Cloverfield - für mich einer der interessanteren Monsterfilme der letzten Jahre - von vielen gehasst aufgrund der "shaky cam" und den angeblich "untalentierten Laiendarstellern". Argumente, die ich nicht nachvollziehen kann, gerade durch die "found footage" Atmosphäre, der unbekannten und somit unbeschriebenen Darsteller und der mehr oder weniger verschlossen bleibenden "Mystery Box". Was die Herkunft des Monsters angeht, hat mich der Film total in seinen Bann gezogen und überzeugt. So beklemmend und vor allem dermaßen mit den Darstellern mitfiebernd, saß ich selten vor dem Bildschirm, wenn ein Monsterfilm flimmerte. Auch hier ist ähnlich Super 8 das Monster nur "Nebensache", hauptsächlich stehen hier die Charaktere im Vordergrund und deren Versuche, dem Unausweichlichen zu entkommen...und wie ekelhaft war denn bitte das verdammte Viech!

Mission Impossible muss ich an dieser Stelle komplett außen vor lassen, da ich weder ein großer Tom Cruise-Fan, noch Fan der Mission Impossible-Reihe bin und diesen Streifen nicht gesehen habe.

Kommen wir also zum größten "Abrams-Fehltritt" namens Star Trek - Into Darkness. Sicherlich kein total mieser Film, dennoch ein Film, dessen Sequel-Potential auf gut Deutsch "in den Arsch getreten wurde". Was mit dem Star Trek Reboot so wundervoll begann, stagniert in Into Darkness glorreich und verzweifelt im Grunde daran, unbedingt einen Antagonisten reaktivieren zu wollen, der nicht mehr zu bieten hat, als im Original damals gezeigt wurde und in einer modernen Version von Star Trek eher banal erscheint. Es gab überhaupt keinen Grund Benedict Cumberbatch als Khan zu verheizen, der Mann kann wesentlich mehr. Warum nicht mehr auf die Klingonen eingehen, anstatt diese in einer Sequenz ebenfalls zu verheizen? Und als wäre das noch nicht genug, gibt es die im Original so herzergreifend (und zumindest für dieses Kapitel endgültige) Todesszene des berühmten Vulkaniers, gespiegelt und nicht im entferntesten so Tränen rührend wie im Original. Schade. Vielleicht war Abrams hier schon mit den Gedanken bei Star Wars und wollte keine Energie für eine originelle Idee verschwenden - meine einzige Fanboy-Erklärung. Hier hat Abrams Mystery Box leider das Falsche rausgelassen.

Mystery Box? Was´n das jetzt?

Die oft mit Abrams in Zusammenhang zitierte und meist missverstandene "Mystery Box" ist tatsächlich eine Box, die ihm Opa Harry in einem Zauberladen kaufte - und Abrams hat sie nie geöffnet. "Tannens Magic Mystery Box". Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel: Ist es nicht wesentlich aufregender sich vorzustellen was alles in dieser Magic Box enthalten sein könnte, als sie zu öffnen und vom Inhalt enttäuscht zu sein? Die Box könnte in dem Moment ihren Zauber verlieren und vollkommen wertlos werden. Diese Denkweise überträgt Abrams auf seine Produktionen und stößt damit oft auf Missmut, denn leider fühlen sich die meisten Leute heutzutage "verarscht", wenn nicht alles haarklein erklärt wird. "Warum sind auf dieser tropischen Insel Eisbären unterwegs?!", "Was ist überhaupt diese Insel?!", "Es wurde nichts erklärt - sechs Jahre vergeudet!" etc. pp.

Es gibt einen Auftritt von Abrams bei TED (siehe: http://www.ted.com/talks/j_j_abrams_mystery_box#t-272661). Hier erfährt man ein wenig darüber, wie Abrams tickt. Wer keine Lust hat knapp 18 Minuten zu "verschwenden", kann zur Passage ab ca. der 8 Minute 42 Sekunde springen, wo Abrams erst kurz auf Star Wars eingeht, die Mystery Box darlegt und im Anschluss diverse Produktionen anspricht, unter anderem E.T. und Der Weiße Hai, und aufzeigt was diese Geschichten tatsächlich besonders macht. Scheinbar banale Dinge die nur das Drumherum des eigentlichen Plots ausschmücken, ohne diese aber die kompletten Geschichten niemals dermaßen berühren könnten.

Die aus dieser Mystery Box entstehenden Marketingkampagnen, gerade was Cloverfield und Super 8 angeht, also Produktionen denen keine Vorlage vorausgeht, sind wahnsinnig aufregend. Leider ging dies, wie gesagt, bei Into Darkness nach hinten los.

Star Wars und die Suche nach dem Richtigen

Als Lucas die Star Wars Lizenz an Disney verkaufte und es hieß es werden neue Episoden produziert, machte ich einen Freudensprung. Tatsächlich. Dann ging natürlich das Kopfkino los. Wer wird diese schwere Last tragen können? Steven Spielberg? Christopher Nolan? Michael Bay? Joss Whedon? ... Mir kam als erstes Mr. Abrams in den Sinn, der aber mit dem Star Trek Franchise gerade sehr beschäftigt schien. Also ging ich die Liste erneut durch.
Steven Spielberg - ein Meister seines Fachs, keine Frage - aber ein sehr enger Freund von Lucas... daher unwahrscheinlich. Christopher Nolan? Hm... Prestige und Insomnia waren gut, als DC-Fan hat mich natürlich Batman Begins überzeugt. The Dark Knight war schlichtweg grandios. Dark Knight Rises gerade so mittelmäßig und Produktionen wie Inception oder Interstellar packen mich nicht. Michael Bay? Zwei Wörter: Nein Danke. Und Joss Whedon? Meiner Meinung nach ein "Abstauber".

Also wer wäre sonst in Frage gekommen? Peter Jackson? James Cameron? Tim Burton? Ridley Scott? Robert Zemeckis? Allesamt große Namen und noch größere Talente, die aber auch ihre Leichen im Keller haben - zumindest was unsere Wahrnehmungen und unterschiedlichen Geschmäcker angeht - für sie selbst waren es wahrscheinlich Herzensangelegenheiten ("scheiß auf das, was andere wollen").

Dass es dann doch mein Favorit geworden ist, reine Glückssache. Ich hätte auch mit den meisten oben genannten leben können. Oder vielleicht ein komplett unbeschriebenes Blatt. Wie dem auch sei. J.J. Abrams ist es nun geworden. Wer es nicht akzeptieren möchte soll nur Käse zum Whine bestellen.

Es gibt ein paar Punkte die selbst mich "nervös" machen. Was sein Gespür für den richtigen Cast und stimmige Settings angeht, da mache ich mir keine Sorgen. Was mir ein wenig Bauchschmerzen bereitet ist Erstens: Findet Abrams den richtigen Abstand zu "seinem" Star Trek und Zweitens: Wenn er die bis zum Release ungeöffnete Mystery Box schließlich looten lässt - wird Altbewährtes à la Kahn oder ein riesiger WTF-Moment à la "Ich bin Dein Vater" dabei rausspringen?

Ich schließe die Möglichkeit nicht aus, dass Das Erwachen der Macht eine Enttäuschung wird - wenn sich z. B. die aufgetauchten Gerüchte bewahrheiten sollten, [eventueller SPOILER!] dass es einen dritten Todesstern geben wird oder dass Luke für Han Solos Tod verantwortlich sein soll [/SPOILER], hätte das Ganze sicher einen faden Beigeschmack.

Eins ist jedoch sicher: Das was bisher gezeigt wurde (wie ich finde die exakt korrekte Portionierung) stimmt mich absolut begeistert und ich feiere diese Zeit. Ich habe zu beiden gezeigten Teasern wie ein kleines Kind geschrien und gejubelt, mit Tränen in den Augen. Ich stehe hinter Abrams! Ist das Endergebnis die letzte Grütze, werde ich die "I bloody told you so!"-Kommentare mit Würde über mich ergehen lassen und nicht verzweifelt nach Argumenten suchenum mich bzw. Abrams unnötigerweise weiter zu verteidigen.

Bis dahin: Möge die Macht mit J.J. Abrams sein!

Kommentare zu "[Gastbeitrag] Die Abrams-Kontroverse..."